Wer politisch aktiv ist, kennt
womöglich den Ärger, vielleicht sogar die Verzweiflung über die
erdrückende Mehrheit der sogenannten „Schlafschafe“ in unserem
Land, die offenbar durch keine noch so katastrophale
politisch-gesellschaftliche Entwicklung aus ihrer Lethargie zu reißen
ist.
An
dieser Stelle möchte ich zwar keine Entschuldigung in Form einer
„Apologie des gemeinen Schlafschafs“ (ovis dormientem vulgaris)
präsentieren, als Konzeptkünstler und Medienwissenschaftler mit
einem grundsätzlich positiven Menschenbild frage ich mich jedoch
immer wieder, welche Ursachen diese Lähmungserscheinungen haben
könnten. Und ich frage mich, wie wir „aus dieser Nummer“ wieder
herauskommen können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder
Letztbegründung möchte ich hier kurz drei Erklärungen zur
Diskussion stellen, die die Problematik meines Erachtens nach
erhellen und Lösungsansätze aufzeigen können.
Naomi
Klein zeigte in ihrem Buch „Die Schock-Strategie“ (2007), dass
das, was wir derzeit aufgrund einer inkompetenten Sanktionspolitik
und als Kriegspartei an wirtschaftlichen Krisen, Inflation sowie
Gefährdung unserer Grundversorgung erleben, in einem neoliberalen
„Schock-Kapitalismus“ früher oder später ohnehin auf uns
zugekommen wäre. Wie Klein anhand von neoliberalen „Musterstaaten“
wie Chile zeigt, lief ein „Turbo-Kapitalismus“ früher oder
später stets auf einen „failed state“ mit lebensbedrohlicher
Verarmung der Bevölkerung hinaus. Aktuell gewendet:
„Schock-Kapitalismus“ ist beispielsweise, wenn es Dich vor lauter
Angst, ob Du morgen noch Deine Medikamente, Deinen Strom, Deine
Heizung und Lebensmittel bekommst, nicht mehr interessiert, ob
Politiker für ihre Covid-Verordnungen und deren Folgen zur
Verantwortung gezogen werden.
Wilhelm
Reich zeigte in seiner „Charakteranalyse“ (1948) und bereits in
seinen frühen Schriften zur Entstehung des Faschismus, wie es zu dem
kommt, was ich persönlich „Duckdeutschentum“ nenne und wofür
Nachfolger Reichs den Begriff des „autoritären Charakters“
einführten. Es waren (und sind meiner Auffassung nach) umfassende,
heftige und seelisch traumatisierende Formen der Unterdrückung, die
zu bedingungsloser, unkritischer Unterwürfigkeit, starrer
Konformität, aber auch Denunziantentum und destruktiver Lust an
Ausgrenzung und Diskriminierung Andersdenkender führte (und meines
Erachtens führt).
Besonders
aber hat Viktor E. Frankl in seinen Arbeiten, z.B. in
„Existenzanalyse und Logotherapie“ (1994) über seine Erfahrungen
als in mehreren Kzs einsitzenden Psychologen gezeigt, dass während
einer katastrophalen Erfahrung der Schockzustand, in dem sich der
Mensch befindet, gar nichts anderes als diese innere Lähmung zulässt
und seelische Erkrankungen meist erst auftreten können, wenn die
katastrophale Situation überstanden ist (falls man sie überlebt).
Im Rückblick auf die Zeit des Nationalsozialismus und seiner
Mitläufer (die er schlicht „Opportunisten“ nennt), stellt Frankl
fest: „Widerstand setzt doch Heroismus voraus, und Heroismus darf
man meiner Ansicht nach nur von einem einzigen Menschen verlangen,
und das ist – man selbst!“
Von
Frankl können wir ferner lernen, wie wichtig für das Überleben ein
für die einzelne Person konkreter Lebenssinn ist (wer oder was auch
immer das jeweils sein mag) und dass es die positiven, sinnstiftenden
Ziele sind, die uns helfen und gesund werden lassen.
Wir
dürfen uns als politisch Engagierte daher fragen, ob es einerseits
nicht unsere menschliche Pflicht sei, im Anschluß an die
Covid-Verordnungen eine Aufarbeitung und Verurteilung der Schuldigen
anzugehen, ob es aber andererseits nicht ebenso dringlich, vielleicht
sogar dringlicher wäre, JETZT auf die Gattung des „ovis dormientem
vulgaris“ dergestalt zuzugehen, dass wir ihnen eine Vision einer
gerechten wie „artgerechten“ menschlichen Gesellschaft anbieten,
eine positive, glücksspendende Zielvorstellung, der sich eine solide
Mehrheit der Menschen in unserem Land anschließen kann?
Wie
wäre es mit einer basisdemokratischen bzw. radikaldemokratischen
Gesellschaft? Ich persönlich glaube, eine solche Gesellschaftsform
(z.B. verbunden mit einer „Gemeinwohlökonomie“) wäre ein
hervorragender Kandidat für eine solche Zielvorstellung. Eine solche
positive, sinnstiftende Vision braucht leicht verständliche Symbole,
um sie weit und breit zu kommunizieren und zu popularisieren. Die
Basisdemokratische Republik Deutschland (BRD) hat immerhin bereits
eine Flagge… Seien wir also gute Schäferinnen und Schäfer!
Flagge der "Basisdemokratischen Republik Deutschland"