Da ich dort aufgewachsen bin, verbindet mich bis heute eine besondere Liebe mit dem Frankfurter Stadtteil Oberrad. Oberrad hat bis heute nur einen einzigen bedeutenden Schriftsteller hervorgebracht, der leider an einer schweren Krankheit viel zu früh verstarb.
Ludwig Gallmeyer (1865-1909) erhielt bereits zu Lebzeiten für seinen Novellenband "Abseits" und seinen Gedichtband "Sommerernte" viel Lob, sogar von Hamburger Zeitungen, war also auch über Hessen hinaus ein geschätzter Autor. In jüngster Zeit wurde in Oberrad eine Straße nach ihm benannt - er bleibt unvergessen.
Hier ein Weihnachtsgedicht von ihm:
Weihnachtszeit.
Es schwebt ein Engel durch die Lande,
Vom Christkind heimlich ausgesandt,
Daß er zum Himmel bring' die Kunde,
Wen lieb er, brav und sittsam fand.
Und welches Kind im Himmel droben
Er freudig loben darf und kann,
Dem wird bereitet seine Gabe
Von Christkinds Engelscharen dann.
Die bringen leise sie zur Erde
Und legen sie in Mutters Hand,
Ein Spielzeug für die lieben Kleinen
Und eitlen, bunten Flittertand.
Und für die Großen ernstre Dinge
Und nützlich für den Hausgebrauch.
Es muß das Schöne mit dem Guten
Sich paaren bei dem Christkind auch.
Und dämmert dann der heilge Abend
Mit seiner Tannen Lichterpracht -
Heil dann dem Kind, von dem der Engel
Zum Himmel gute Kund' gebracht.
Sein Herz darf jubeln in Entzücken,
Darf sich des reinsten Glücks erfreu'n,
Darf nach dem Fest sich noch ergötzen
Still in der Freude Wiederschein.
Dem ärmsten Kind in ärmster Kammer,
Dem braven, wird sein Wonneteil;
Es weichen Kummer, Not und Schmerzen
Vor Christkinds ewgem Weihnachtshell . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . .
Es geht ein Engel durch die Lande . . .
Kind, fühlst Du seinen Flügelschlag . . . ? -
Bereite rein des Herzens Kammern,
Dann lacht auch Dir der Weihnachtstag.
[Anmerkung: Die Orthographie war damals eine andere, so heißt es "Wiederschein" statt Widerschein" usw.]